Was ist Unterwasserrugby?
Teil 2
Als generelle Einschränkung gilt jedoch,
dass da wie dort die Torverteidiger, mindestens zwei oder
mehr, hochspezialisierte Spieler sind, denen große Bedeutung
zukommt. Sie sind, im wahrsten Sinne des Wortes, das "Rückgrat"
der Mannschaft und genießen ähnlich hohes Ansehen
wie die Goalies beim Eishockey.
Ein UWR Spielleiter am Beckenrand und zwei
mit Presslufttauchgeräten ausgerüstete Unterwasser-Schiedsrichter
beobachten den Spielverlauf, zeigen mittels einer Signalhupe
Regelverstöße an und ahnden selbige mit Freiwürfen,
Strafstößen (das sind direkte Duelle eines Angreifers
gegen einen Verteidiger) oder zeitlich begrenzten, in der
Regel zweiminütigen Spielerausschlüssen. Dadurch
kommt es bei technisch hochwertigen Gegnern zu einem unerwartet
körperlosen Spiel, für das die früher des Öfteren
diskutierte Bezeichnung "Unterwasser-Ball"
eigentlich besser geeignet wäre.
Ernsthafte Verletzungen kommen, dank der dämpfenden Wirkung
des Wassers, wesentlich seltener vor, als in den meisten anderen
Sportarten. Die häufigste Verletzungsursache, versehentliche
Schläge beim Abtauchen mit dem Flossenblatt auf das Ohr
eines Mitspielers (die Wasserfüllung des äußeren
Gehörganges kann wie ein Kolben wirken und das Trommelfell
perforieren), konnte in den letzten Jahren durch die Verwendung
von Wasserball-Hauben mit Ohrenschutzkappen nahezu völlig
beseitigt werden.
Welch faire Sportart Unterwasser-Rugby wirklich
ist, zeigt sich auch in der Tatsache, dass es nicht nur von
den so genannten "harten" Männern gespielt
wird. Der Anteil der Frauen unter den ausübenden Sportlern
liegt derzeit bei mehr als 20% und ist im Begriff, noch weiter
anzusteigen. Damen und Herren spielen dabei häufig in
gemischten Teams, da die Anzahl von reinen UW-Rugby Damen-Mannschaften
in den meisten Ländern - ausgenommen Skandinavien - für
einen geordneten Wettkampfbetrieb in eigenen Damen-Ligen gegenwärtig
doch noch zu gering ist.
Gerade das, was viele Freizeit-Taucher an ihrem
Sport so schätzen, nämlich unter Wasser und in relativer
Abgeschiedenheit ihrem Hobby nachgehen zu können, wirkt
sich naturgemäß auf die meisten Leistungssportarten
des Tauchens eher negativ aus. Obwohl viele Veranstalter mit
aufwändigen Video-Übertragungen dagegen anzukämpfen
versuchen, bleibt Unterwasser-Rugby eine nicht sehr publikumsfreundliche
Angelegenheit. Vielleicht ist es aber gerade diese Exklusivität,
verbunden mit dem dreidimensionalen Bewegungserlebnis, die
dem Spiel seine große Anhängerschaft beschert.
In Deutschland beispielsweise kämpfen über 2000
Aktive in mehr als 120 Unterwasserrugby Vereinen und mehreren
Ligen sowie verschiedenen Altersklassen um die entsprechenden
Meistertitel.
Ähnlich ist die Situation in den skandinavischen Ländern,
wo interessanterweise der Bekanntheitsgrad der Sportart in
der Öffentlichkeit sehr hoch ist. Bei den alle drei Jahre
abgehaltenen Europameisterschaften treffen die Teams der vorgenannten
Länder auch auf die Nationalmannschaften Österreichs,
Tschechiens und der Schweiz. Kleinere Rugby-Szenen sind darüber
hinaus noch in Italien, Polen und der Slowakei zu finden.
Da in den letzten Jahren Unterwasser-Rugby auch in Kolumbien,
Chile, Peru, Venezuela, den USA, Ägypten und der Türkei
Fuß fassen konnte, sind bei Weltmeisterschaften, die
ebenfalls in einem dreijährigen Rhythmus ausgetragen
werden, meist schon mehr als zehn Teilnehmernationen vertreten.
Was den sportlichen Erfolg betrifft, so sind
solche internationalen UWR Meisterschaften nach wie vor fest
in skandinavischer Hand, wobei Dänemark und Schweden
bisher die meisten Titel erringen konnten. Zwar gelangen dem
kleinen Österreich in jüngerer Vergangenheit mit
zwei vierten Plätzen Achtungserfolge, aber ansonsten
ist nur das Nationalteam Deutschlands wirklich in der Lage,
"vorne mitzumischen" und regelmäßig einen
Platz auf dem Siegerpodest zu erobern.
|